Wenn der Schnee fällt und die Temperaturen unter null sinken ist es wieder Zeit, campen zu gehen. Moment. Campen? Im Winter? Ja, ganz richtig gelesen, in Kärnten gibt es einige Möglichkeiten zum Wintercamping. Auf winterfesten Plätzen stehen wohlig warme Sanitäranlagen sowie Trockenräume für Wäsche, Ski und Schuhe zur Verfügung. Um mir selbst ein Bild zu machen, besuche ich ein paar dieser Plätze auf dem Weg von Hermagor nach Kötschach-Mauthen bis zum Weissensee. Und wer weiß, vielleicht bin ich nächstes Jahr auch dabei.

Das Zuhause fährt mit

Campen bedeutet für mich viel frische Luft, ein Hauch von Freiheit, Geselligkeit, sich mal wieder auf einfache Dinge zu besinnen und kochen, was der Campingherd hergibt.

Dieses Lebensgefühl beschränkt sich selbst für mich als Camperin seit Kindesbeinen an auf den Sommer. Doch auch die kalte Jahreszeit hat einen eigenen Reiz: Statt Hotel und fremde Zimmer einfach ins gemütliche, fahrbare Heim einkehren, frühstücken wann ich will und die heiße Schokolade so zubereiten, wie ich sie am liebsten mag. Während sich im Sommer die Hitze zeitweise im Zelt und Wohnwagen staut, wird der Wohnwagen im Winter zu einem kuscheligen Nest, in dem man gerne gemütlich zusammensitzt und Karten spielt. Beheizt wird dieses fahrbare Zuhause im Winter mit Gas und wenn es mal Probleme gibt, helfen sich die Nachbarn gerne aus. Auch das Abspülen nach dem Essen wird beim Wintercamping ein geselliger Ausflug in angenehm warme Waschräume. Hier kommt man schnell ins Gespräch mit anderen Campern. Und wer mit Sorge an gefrorene Kleidung auf der Wäscheleine denkt, kann sich über beheizte Trockenräume für Ski, Schuhe und Kleidung freuen.


Natur erleben und sich ihr nahe fühlen

Im Alpencamp in Kötschach-Mauthen erwartet mich Sepp Kolbitsch bereits in sportlicher Funktionskleidung und Kuhfell-Hausschuhen.

In der Anmeldung stapeln sich in Kartons, die Weihnachtskarten, die noch an Stammgäste verschickt werden wollen. Alle von Hand unterschrieben. Denn selbst gemacht, nachhaltig und umweltverträglich sind Dinge, die Sepp in seinem Betrieb wichtig sind. Hier wird der Apfelsaft selbst gekeltert, der gesamte Platz energieautark geführt und das Holz für die in Eigenregie gebauten Bungalows wurde zu günstigen Mondphasen geschlägert.

Ein gemütliches Gefühl sollen die Camper haben, gerne wieder kommen und sich der Natur nahe fühlen. Vor allem Bergsteiger und Wanderer zieht es hierher, erzählt Sepp. Das kleine Skigebiet in Kötschach-Mauten eignet sich aber auch gut für Familien mit kleinen Kindern. Sepp ist es wichtig, dass sich seine Gäste vom stressigen Alltag erholen können und eindrucksvolle Momente in der Natur erleben.
Dazu schnallt er sich auch schon mal selbst Schneeschuhe unter die Füße und stapft mit ihnen durch die unberührte Schneelandschaft.

Kälte im Winter? Das ist sehr subjektiv!

Auf meine Frage, ob man denn im Winter auch draußen sitzen könne, schmunzelt er.

Natürlich sogar im T-Shirt, wenn die Sonne scheint. Manche grillen auch gerne im Winter vor ihrer Tür. Kälte sei sowieso eine sehr subjektive Empfindung. Während viele Italiener von Kopf bis Fuß dick eingepackt über den Platz liefen, gehe der Holländer auch schon mal in kurzer Hose und T-Shirt Richtung Dusche. Bei einem warmen Tee in der Küche erzählt er mir von Silvesterabenden rund ums Lagerfeuer bei Glühwein und dem Knacken von heimischen Wallnüssen. Bei diesen Erzählungen kann ich das Knistern des Feuers, das Knirschen des Schnees unter den Füßen schon fast hören und bekomme Lust selbst im Winter zu campen. Ein Schmankerl hat Sepp dann noch zu bieten, den wunderschönen Wellnessbereich, neben dem Restaurant das Herzstück des Platzes. Hier kann man richtig die Seele baumeln lassen und mit Blick auf die Dolomiten entspannen.

Zum Alpencamp Kötschach-Mauthen

Bestens unterhalten - ein Spaß für die ganze Familie

In Hermagor finde ich einen rundum ausgestatteten Campingplatz, der seinen Gästen ein volles Programm bietet. Die bodenbeheizte Duschanlage sorgt für warme Füße im Winter, das platzeigene Restaurant für gute Küche und ein Animationsteam für ein buntes Unterhaltungsprogramm. Hier können die Großen lernen, wie man Apfelstrudel bäckt und Ausflüge mit Schneeschuhen oder der Pferdekutsche unternehmen.

Die sportlichen Gäste schließen sich Campingplatzbesitzer Norbert Schluga zum Skifahren aufs Nassfeld oder zum Eistauchen an. Für Langlaufliebhaber bietet das rund 300 km lange Loipennetz genügend Möglichkeiten. Und die in der Sonne glitzernden verschneiten Wälder laden zu romantischen Spaziergängen ein. 


Wintercamping macht erfinderisch

Die Kleinen können währenddessen um die Wette basteln oder sich im Bällebad austoben. Wirklich spannend wird es dann, wenn der Schnee wie eine dicke weiße Decke über dem Platz liegt. Große Schneeberge türmen sich dann auf den freien Stellplätzen und der ganze Campingplatz wird zum Abenteuerspielplatz.

Die Hügel hinunterrutschen, verstecken spielen, Höhlen bauen, eine große Schneeballschlacht starten, rodeln am Waldrand oder eislaufen auf dem zugefrorenen Pressegger See. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und wie ich aus lebhaften Kindheitserinnerungen weiß, ist ein Campingurlaub eine große Entdeckungsreise. Denn eines glaube ich ganz fest: Camping macht erfinderisch.

Wer hier nach einem Tag an der frischen Luft doch mal kalte Füße bekommt, kann sich in dem sehr modernen und gemütlichen Alpinspa schnell wieder die Füße aufwärmen und sich am Ausblick auf das Nassfeld erfreuen. 

Zum Schluga Camping Hermagor

 

 

Weissensee - Europas größte Natureisfläche

Bei meinem letzten Stopp am Weissensee liegt sportliches Flair in der Luft. Jeden Winter präsentiert sich der zugefrorene See als Eislaufeldorado.

Die Holländer wissen das schon seit 1989 und haben ihre Alternative holländische 11 Städtetour aus Eismangel in der Heimat hierher verlegt. Bei diesem Eisschnelllaufmarathon legen an die 3000 Teilnehmer Distanzen von 40, 100 und 200 Kilometer zurück.

Auch auf dem Platz macht sich dieser sportliche Geist bemerkbar, erzählt mir Karl Knaller, der Besitzer des Camping Knaller am Weissensee. Viel Unterhaltungsprogramm wird vom Platz zwar nicht geboten, aber das brauchen die Gäste hier auch nicht. Sie sind sportlich unterwegs und fahren selbst bei Minusgraden mit ihren Mountainbikes durchs Tal und durch den Naturpark Weissensee. Sie sitzen vor dem Wagen in der Sonne oder schnallen sich die Langlaufski unter die Füße. Über den platzeigenen Seezugang geht es für Frühaufsteher schon bei Sonnenaufgang zum Eislaufen. Direkt hinter dem Campingplatz befindet sich ein kleines Skigebiet, das auch für Familien gut zu Fuß erreichbar ist. Zu Kärntens größtem Skigebiet, dem Nassfeld, fährt von hier -  und den anderen erwähnten Campingplätzen - ein Gratis-Skibus.

Zum Camping Knaller

Dem Alltag entfliehen

Eines steht für mich nach diesen Eindrücken fest: Auch im Winter verbringt man die meiste Zeit draußen an der frischen Luft und der Wohnwagen wird zu einem gemütlichen Refugium. Beim Campen kann man dem Alltagsstress entfliehen und entspannen. Schnell ist der Alltag vergessen und wenn es dunkel wird, bleibt viel Zeit, um ein Buch zu lesen oder mit der Familie zusammenzusitzen, Karten zu spielen und sich Geschichten zu erzählen.

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