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Warum ich meine ersten Camping-Erfahrungen in Kärnten sammle

Ich habe noch nie in einem Zelt, einem Camping-Bus oder Wohnwagen übernachtet – und das, obwohl ich recht abenteuerlustig bin und schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel habe. Gehört habe ich ja schon einiges, dass die Welt der Camper eine andere sei, aber welche? Und so habe ich den Entschluss gefasst, das Leben am Campingplatz einmal auszuprobieren. Und zwar genau dort, wo sich Camper richtig wohlfühlen. In Kärnten. Mit seinen warmen Badeseen und Bergen in allen Höhenlagen.

Kärnten mit mehr als 100 Campingplätzen

In Österreichs südlichstem Bundesland gibt es mehr als 100 Campingplätze, mehr als 20 Prozent der 8 Millionen Nächtigungen im Sommerhalbjahr entfallen auf diese ganz besondere Art des Urlaubs. Ich entscheide mich fürs Seen-Hüpfen und besuche Campingplätze am Faaker See, Turner See und Millstätter See. Bei meiner Entdeckungsreise geht es nicht nur ums Camping allein. Es geht auch um Infrastruktur und besondere Serviceleistungen und was es in nächster Nähe zu erleben gibt. Schließlich will niemand den ganzen Tag faul im Liegestuhl verbringen. Vielfalt, Abwechslung und angenehme Überraschungen gehören schließlich zum (Camping)-Urlaub dazu.

Was macht die Faszination Camping aus. Ich begebe mich vier Tage lang auf die Suche. Mit einem Fiat 500, vollgepackt bis unters Dach. Mit allem, was man so braucht, wenn man eine Nacht im Zelt, die nächste in einem Mobile Home und die kommende in einem Mietwohnwagen verbringen möchte. Die erste Lehre, die ich daraus ziehe: Sehr komfortabel, wenn man die Ausrüstung, also Zelt und Wohnwagen nicht selbst haben bzw. mitnehmen muss, sondern alles vor Ort zur Verfügung gestellt bekommt. Jeder Gast, der möchte, kann das auch genauso buchen.

Die Reise beginnt.

Zu allererst geht es an den Faaker See

Es ist Montag, 8 Uhr, und es regnet. Ich frage mich, wie ich gegen Mittag mein Zelt aufbauen werde. Schließlich habe ich das noch nicht einmal ohne Regen probiert. Doch meine Sorgen sind unbegründet. Ich erreiche den Campingplatz Anderwald am Faaker See und – was für ein Wunder – mein Zelt wartet bereits fix und fertig aufgestellt auf mich. Geschätzte Größe: zwei mal 1,5 Meter. Ich muss schmunzeln. Da soll ich übernachten? Doch bei genauerer Überlegung hätte ich auch in einem viel kleineren Zelt übernachtet, wenn nur der Platz der gleiche geblieben wäre. Mein Zelt steht nämlich direkt in einer kleinen Badebucht, ungefähr fünf Meter vom Ufer des Faaker Sees entfernt. Was für ein herrlicher Ausblick. Doch wohin mit den ganzen Sachen, die ich mithabe? Kein Problem. Das Auto, das als riesige Aufbewahrungsbox dient, darf direkt hinterm Zelt stehen. Und ja, bevor ich es vergesse: Es gibt auch ein Stromkabel, das direkt zu meinem Zelt verlegt wurde.

Campingplatz Anderwald:

„So nah wie möglich an der Natur und so einfach wie möglich“

Doch der Reihe nach: Bei Ankunft am Campingplatz erwartet uns Hannes Anderwald sen. Bei ihm weiß man gleich, was mit Kärntner Gastfreundschaft gemeint ist. Er scherzt mit den Gästen, erzählt von seinem selbstgebrannten Zwetschken-Schnaps und berichtet, wie schwierig es ist, gutes Personal zu bekommen. Sein Koch ist bereits seit sechs Jahren im Haus, worüber der Seniorchef sehr froh ist. Das Motto am Campingplatz Anderwald:

„So nah wie möglich an der Natur. So einfach wie möglich."

Rund 200 Plätze stehen zur Verfügung – dadurch, dass keine Grenzen zwischen den einzelnen Plätzen gezogen werden, kommt es einem vor, als ob man direkt im Wald campiert. Hannes Anderwald erzählt, dass er seit einigen Jahren einen Nachtwächter beschäftigt. Schließlich sollen sich die Gäste am gesamten Areal zu jeder Zeit sicher fühlen. Egal, ob es um Brandgeruch, das Organisieren eines Arztes oder um das Fernhalten von Betrunkenen geht. Was zu den Besonderheiten am Campingplatz zählt: Es gibt ein gutes Angebot an Aktivprogrammen rund um Mountainbiken, Berg- und Wassersport.

Am Nachmittag lerne ich meine direkten Nachbarn kennen. Ein holländisches Pärchen, das seit 35 Jahren am Campingplatz Anderwald am Faaker See Urlaub macht. Warum? Weil es sich hier zu Hause fühlt. Mit Campingwagen am See, immer an ein und demselben Platz. Früher ist das Ehepaar den ganzen Sommer geblieben. Heute dauert der Urlaub nur mehr vier Wochen, die restliche Zeit nutzen die Kinder den Wohnwagen. Warum sie ausgerechnet hierher gekommen sind? Weil sie gehört haben, dass Kärnten so schön sein soll. Und so haben sie vor mehr als 35 Jahren an drei unterschiedliche Campingplätze in Kärnten einen Brief geschrieben - und Hannes Anderwald hat darauf geantwortet. Der Beginn einer langen Freundschaft.

„Indian Spirit“ im Schilfgürtel des Faaker Sees

Der blaue Nachmittagshimmel lässt zwar noch immer auf sich warten, doch eine Paddeltour geht auch bei bewölktem Wetter. Aus dem naheliegenden Kajakcenter Faak (Kajak- und Kanuschule, SUP, Rafting, Canyoning etc.) holt uns Guide Alina ab. Gemeinsam mit ihr möchte ich nicht nur die kleine Insel samt Inselhotel umrunden, sondern auch durch die schmale Wasserstraße des dichten Schilfgürtels des Faaker Sees fahren.  „Indian Spirit“ heißt das Programm und Alina hat sogar ein bisschen Ähnlichkeit mit Pocahontas. Die Grundkenntnisse, die für den Canadier (offenes Kanu) notwendig sind - Grundschlag, Bogenschlag und J-Schlag - sind rasch vermittelt und schon geht’s los. Eine herrliche Tour. Kaum Menschen am See und rund um uns nur einige Enten, Seerosen und ein herrliches Berg-Seen-Panorama. Zwischen dem Quaken der Enten ist nur der Schlag unserer Paddel zu hören. Schade, wie schnell die paar Stunden um sind.

Zurück am Campingplatz Anderwald

Während im Restaurant bereits köstliche Speisen mit regionalen Zutaten zubereitet werden, sitze ich noch im Zelt und schaue aufs Wasser. Es beginnt wieder leicht zu regnen. Ein warmer Sommerregen. Ganz in der Nähe spielt jemand Gitarre, Leute lachen, sind unbeschwert. Das erinnert mich an meine Jugend am Land. Damals sind wir öfter ums Lagerfeuer im Wald gesessen, haben gesungen und gegrillt. Apropos gegrillt. Ich verspüre Hunger. Die Arbeit kann warten...

Und so mache ich mich auf den Weg ins campingplatz-eigene Restaurant. So wie ich bin. Leger gekleidet und ungeschminkt. Auch das ist ein Vorteil von Camping: Es wird nicht soviel Theater um Äußerlichkeiten gemacht. Das Restaurant ist wirklich sehr gut besucht. Und so denke ich mir: Scheinbar werden die Camper auch immer bequemer... 

Wach werden mit Seeblick

Die ungewohnte Umgebung und seltsame Geräusche holen mit rechtzeitig aus dem Schlaf. Ich öffne den Reißverschluss und sehe - einen Fischer in seinem Boot am See, einen Schwimmer in Aktion und eine aufgeregte Entenfamilie. Wie kitschig ist das denn? Dieser Tag kann nur schön werden. Und neben meinem Zelt hat bereits jemand, der scheinbar seinen Campingplatz nie aus den Augen lässt, eine Tafel an einem nahen Baum angebracht, auf der steht:

„Bitte nicht stören. Kids schlafen noch.“

So ein Lieber, der Herr Anderwald.

Am Klettersteig für Anfänger

Zuserst noch in Ruhe frühstücken und schon wartet der nächste Teil meiner Reise. Bergführer Gerry Sagmeister von der „High Life Alpinschule“ erwartet mich bereits, um mit mir eine Anfänger-Klettertour durch die Rotschitza Klamm zu machen. Wir fahren mit dem Auto rund 20 Minuten zur Baumgartner Höhe hoch über dem Faaker See. Hier befindet sich auch eine Etappe des Weitwanderweges Alpe-Adria-Trail, der in 43 Etappen vom Großglockner quer durch Kärnten und Slowenien bis nach Muggia an der Oberen Adria führt.

Voller Elan marschieren wir los. Den Klettergurt habe ich bereits angelegt, an die 30 Minuten dauert es bis zum Fuße des Klettersteiges. Beim Blick nach oben wird mir dann doch ein wenig mulmig. Sowas habe ich schließlich noch nie gemacht. Schaut ziemlich steil aus. Das kann ja heiter werden. Als ich feststelle, dass ich nur hinauf, nicht aber wieder denselben Weg hinunterklettern muss, bin ich beruhigt. Das schaffe ich. Nach den ersten paar Schritten, ohnehin durchgehend gesichert, beginnt es mir richtig zu gefallen. Das Wasser plätschert unter mir und ich fühle mich der Natur ganz nah.

Ich habe ein gutes Gefühl.

Zumindest bis es heißt, dass wir die Schlucht über ein Seil überqueren werden. Nicht mit dem Blick zum Berg sondern mit dem Blick ins Tal. Es geht gefühlte 100 Meter in die Tiefe. Doch ich mache, wie mir geheißen: Hinsetzen. Aufstehen. Und langsam über das Seil bis auf die andere Seite gehen. Es zittern die Knie und im Schneckentempo schlurfe ich voran. Geschafft. Ich bin stolz auf mich. Wie eine Mutprobe in der Kindheit.

Das Kletterparadies Kanzianiberg

Nach rund einer Stunde Klettern ist der Endpunkt erreicht und nach einigen Minuten Fußmarsch wartet ein herrlicher Ausblick auf den Faaker See als Lohn. Und natürlich der selbstgebrannte Schnaps, den uns Hannes Anderwald sen. als Gipfelschluck mitgegeben hat. Am Weg zurück erzählt Gerry, dass er seit einigen Jahren spezielle Programme für den Campingplatz Anderwald anbietet. Nicht nur jene in der Rotschitza Klamm, sondern auch fürs Kletterparadies Kanzianiberg (rund 400 Routen, eines der größten Kletterareal in Kärnten), das er und seine Partner seit fast 30 Jahren gepachtet haben. Eine ganz neue Attraktion am Kanzianiberg: Eine 45 Meter langer Flying Fox in 80 Meter Höhe, die über einen leichten Klettersteig erreichbar ist. Allein die Vorstellung treibt mir den Schweiß auf die Stirn. Doch wie lautet Gerrys Rezept bei großer Aufregung: „Ruhig bleiben und Tempo herausnehmen“.

Zurück bei meinem grünen Zelt am Faaker See heißt es Abschied nehmen. Schade. Doch die nächste Station meiner Seenhüpfen-Tour wartet bereits.



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